Tagesseminar
(Als Weiterbildung vom EMR anerkannt)


Wie können wir Menschen mit einer schweren Vergangenheit unterstützen, wenn wir nicht einmal erahnen können, was sie durchgemacht haben?

 

Dieses Tagesseminar richtet sich an alle, die sich im Bereich TIC «Trauma Informed Care» (Trauma sensibilisierte Pflege, Begleitung und Therapie) vertiefen möchten, um Menschen mit einer schweren Vergangenheit und einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) besser unterstützen zu können.

 

Ist es Stress, ein Trauma, eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder eine Seelenverletzung? Wie kann ich diese Begriffe unterscheiden und wie angemessen helfen? Seminarteilnehmende erhalten Kenntnisse über die verschiedenen Interventionen und die tiefgreifenden, neurologischen, biologischen, psychologischen und sozialen Auswirkungen, unter denen Menschen mit schwerer Vergangenheit und einer PTBS (posttraumatischen Belastungsstörung) leiden. Trauma sensibilisiert zu sein bedeutet, dass eine Gastmutter oder ein Lehrer beispielsweise erste Beruhigungsmethoden kennen gelernt hat, um Betroffene angemessen unterstützen zu können. Eine Trauma sensibilisierte Pflege, Begleitung und Therapie kann insbesondere in Akutphasen entlastend sein. Sie hilft, dass eine Retraumatisierung möglichst verhindert werden kann und angemessen begleitet wird, bis eine Trauma-Psychologische-Unterstützung eines Traumaspezialisten* ermöglicht werden kann.


Voraussetzung
Sie möchten mehr über «TIC Trauma Informed Care» erfahren, interessieren sich für die Neurowissenschaft im Gebiet PTBS Posttraumatische Belastungsstörung und möchten u.a. somatische Regulationsstrategien kennen lernen, die Sie in  Kriseninterventionen einsetzen können.

*beide Formen des Geschlechtes sind angesprochen

Bei unserem ersten Anlass wurden 50% der Kursseinnahmen an die Glückskette Schweiz "Ukraine" gespendet. Die berührende Eröffnungsrede hielt Joachim Eder, ehemaliger Gesundheitsdirektor Kt. Zug und ehemaliger Ständerat.

Es freut mich, dass ich Sie hier und heute zum Tagesseminar «Trauma Informed Care» (Trauma sensi- bilisierte Pflege, Begleitung und Therapie) begrüssen darf. Schön, dass Sie sich für dieses wichtige und ausgesprochen aktuelle Thema Zeit nehmen, und zwar hier vor Ort, online (eine Teilnehmerin schaut uns übrigens aus Ägypten zu) oder dann zeitversetzt als Aufzeichnung oder Weiterbildung.


Dass diese hybride Übertragung möglich ist und damit mehr Menschen heute oder auch später erreicht werden können, verdanken wir dem Gastgeber SHI. Dass die Veranstaltung hier stattfindet, macht auch inhaltlich Sinn: Die SHI Homöopathische Praxis ist gesundheitspolitisch ein wichtiger Akteur und als Kompetenzzentrum für klassische Homöopathie bekannt, und zwar europaweit.


Sandra Ulrich als treibende Kraft

Dass der heutige Anlass aber überhaupt zustande gekommen ist, verdanken wir Sandra Ulrich, der Präsidentin des Vereins MENTALE GESUNDHEIT Schweiz. Sie war und ist nicht nur die treibende Kraft hinter dieser TIC-Sensibilisierungsveranstaltung, sondern wird Sie auch als Referentin durch den gan- zen Tag führen. Wirklich eine beachtliche Parforceleistung!


Warum dieses soziale Engagement, warum dieser Einsatz für Menschen mit einem traumatischen Hin- tergrund? In einem Interview mit Patrick Brunner sagte Sandra Ulrich im Oktober 2019 dazu u.a. folgendes:

«Traumatisierung ist ein Thema, das auch in Europa in der Seniorenbetreuung immer mehr an Bedeu- tung zunimmt. Wir haben viele ältere Menschen mit traumatischem Hintergrund, die richtig betreut werden müssen. So leidet nicht nur jeder vierte überlebende Krebspatient an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, so kann auch schon die Diagnose einer unheilbaren Krankheit ein Trauma auslösen. Psychisch beeinträchtigt oder traumatisiert werden kann auch, wer zusehen muss, wie anderen Leid zugeführt wird. Zum Beispiel bei häuslicher Gewalt. Ebenso betroffen sind Opfer von Umweltkatastro- phen und Terror. Hast du dir schon vorgestellt, was unsere Feuerwehrleute, Polizistinnen und Polizis- ten, Sanitäterinnen und Sanitäter bei ihren Kriseneinsätzen alles zu sehen bekommen? Ein solcher Ein- satz kann Spuren hinterlassen. Es gibt Menschen, die werden von Geburt an mit einem Handicap geboren. Andere werden durch einen schweren Unfall oder auf der Flucht derart körperlich verletzt, dass...


"Am Freitag, 28.04.2022 dufte ich am TIC Tagesseminar an der SHI teilnehmen. Es war ein überaus spannender Tag"
R. Frangi

"Erstmal herzlichen Dank für das tolle Seminar! War sehr informativ, teilweise auch berührend und auch sehr ansprechend vorgetragen.
Die Zeit ist fast zu schnell vergangen :-)) 
B. Felder

"Mein herzlicher Dank für das spannende Seminar! Die Anregungen rufen mich auf zur Vertiefung"
F. Salomon

Die Bewertung der Teilnehmenden (10 ist die Bestnote):
Ich fand den Kurs spannend: 8.43
Ich würde den Kurs weiter empfehlen: 8.06

Medien

Nacht für Nacht wacht Kateryna schweissgebadet auf. Die Bilder in ihren Träumen, sie sind so real und unfassbar. Das Haus, in dem sie lebte, ist ein Trümmerhaufen. Die Menschen aus ihrer Nachbarschaft in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol, sie sind alle tot oder verletzt. Oder geflüchtet, wie sie mit ihrem 4-jährigen Sohn und einer einzigen Sporttasche. Sie hatte Glück, sagen die Menschen in ihrem neuen Umfeld, sie sei jetzt in Sicherheit. Sie brauche Zeit, sagt ihre Gastmutter voller Zuversicht, um anzukommen und zu verarbeiten. Die 34-Jährige zweifelt, denn in ihrem Kopf ist die Gefahr im kleinen Aargauer Dorf noch immer so real wie in ihrem Heimatland. War nicht da auch vor kurzem noch heile Welt? Die Angst nimmt von ihr Besitz, manchmal wird sie übergross. Sie kommt nicht nur nachts, sie überfällt sie auch tagsüber. Beim Einkaufen, wenn ein Geräusch oder ein Geruch Kateryna an das Erlebte erinnert.    


Tausende Menschen, die das Leid des Krieges erfahren haben, werden in der Schweiz erwartet. Die Solidarität ist immens, viele Gastfamilien nehmen traumatisierte Geflüchtete bei sich auf. Doch die Kriegsbetroffenen benötigen weit mehr als ein Dach über dem Kopf, regelmässige Mahlzeiten und ein warmes Miteinander. Das Leben mit traumatisierten Menschen, die unter Umständen sogar unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden oder denen unverarbeitete Trauer, Schuld und Schamgefühle einen Neuanfang erschweren, setzt einen bewussteren Umgang voraus.  


Wie können wir Menschen mit einer schweren Vergangenheit unterstützen, wenn wir nicht ansatzweise nachvollziehen können, was sie durchgemacht haben? Diese Frage stellt sich bei allen Traumatisierungen. Ein Trauma entsteht durch eine psychische Ausnahmesituation, die durch überwältigende Ereignisse ausgelöst wird. Eine Situation, die den Menschen an Leib und Leben bedroht. Kriege und Katastrophen sind jene, an die wir unmittelbar denken. Doch Auslöser können auch häusliche Gewalt, Missbrauch, Mobbing, Tod oder Suizid eines nahestehenden Menschen oder auch das Erlebnis eines schrecklichen Unfalls sein. Auch eine überlebte Krebserkrankung kann gravierende psychische Spätfolgen zeigen. Jeder vierte Mensch, der den Krebs besiegt hat, leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. (Quelle: aus dem Masterstudiengang Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke).


Irene, 26, hat es endlich geschafft. Nach einem bangen halben Jahr gilt sie als krebsfrei. Hinter ihr liegt ein Spiessrutenlauf, an deren Anfang der kleine Knoten in ihrer Brust stand. Biopsie, Operation, Bestrahlungen, Chemo. Mit ihrer körperlichen Kraft schwand auch ihre Zuversicht, aus diesem schweren Zustand wieder herauszukommen. Jetzt, da sie es geschafft hat, fehle ihr der Glaube, sagt sie. “Es fühlt sich so an, als könnte es jeden Moment wieder von Vorne losgehen.” Die Angst ist ihr täglicher Begleiter, gegen das Gedankenkarussell kann sie nur schwer angehen.


Viele Traumatisierte kämpfen sich durch ihren Alltag. Wie bei allen psychischen Beeinträchtigungen sind ihre Verletzungen nicht immer sichtbar. Doch sind sie allgegenwärtig. Jede zweite Person erkrankt einmal in ihrem Leben an einer psychischen Störung, Tendenz steigend. Fachleute gehen davon aus, dass rund 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung unter einem traumatischen Hintergrund leidet. In Europa wurde bei 7,7 Millionen Menschen eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert (Quelle: Analyse des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan), 2016). Die Dunkelziffer dürfte entsprechend höher sein.


Kellerräume kann Naomie bis heute nicht betreten. Es ist der muffige Geruch, der die 54-Jährige an ein grauenvolles Erlebnis in ihrer Jugend erinnert. Ihr Onkel lockte sie in den Keller und verging sich hier sexuell an ihr. Darüber gesprochen hat Naomie nie. Zwar ist ihrem Mann während den vergangenen fast 30 Ehejahren durchaus aufgefallen, dass sich seine Frau in dunklen Räumen manchmal seltsam verhält. Doch hat Naomie ihm immer wieder versichert: Es ist nichts, alles ist in Ordnung.  


Angehörige fühlen sich im Umgang mit traumatisierten Menschen oft hilflos. Das muss nicht sein, weil es verschiedene Möglichkeiten gibt, sie zu unterstützen. Das oberste Ziel sei es, eine Retraumatisierung zu vermeiden, sagt Sandra Ulrich. Sie ist Expertin für Traumainformierte Pflege, Begleitung und Therapie und unterrichtet das Behandlungskonzept “Soul Injury” an der Berner Fachhochschule (BFH). “Entscheidend ist, nicht nach schmerzhaften Details zu fragen. Stattdessen sollten wir Betroffenen Sicherheit vermitteln.” Sie gibt Übungen und Tools zur Beruhigung weiter, für die Betroffenen selbst und/oder deren Umfeld.


Den Umgang mit traumatisierten Menschen kann man lernen. Ein erster Schritt dahin ist es, sensibilisiert zu sein.


Bericht: Chantal Desbiolles

Möchten Sie sich vertiefter mit den Themen Traumatisierung und Seelenverletzung auseinandersetzen?
Dann empfehlen wir Ihnen den Kurs an der BFH Berner Fachhochschule zu Soul Injury® oder den 3-Tageskurs zu TIC "Trauma Informed Care" (Trauma sensibilisierte Pflege, Begleitung und Therapie). Sie sind eventuell daran interessiert eine Ganzkörper-Reflexzonentherapie zu erlernen, die in der Schweiz speziell für Menschen mit Angststörungen (und einer PTBS) entwickelt wurde? All diese drei Kurse sind als Weiterbildung vom EMR anerkannt. Erfahren Sie mehr durch Klicken auf den jeweiligen Button.

Ebenfalls bietet auch das Schweizerische Rote Kreuz diverse Kurse für Interessierte an, die sich um Kriegsflüchtlinge kümmern und mehr dazu erfahren möchten.

Weitere Informationen:
Kursteilnehmende erhalten nach dem Tagesseminar eine Kursbestätigung mit 7 Kontaktstunden (EMR anerkannt).
Die Zahlung gilt als verbindliche Anmeldung. Keine Rückerstattung möglich. Sie können dazu eine separate Kursversicherung für CHF 10.00 abschliessen, damit Sie bei Verhinderung gedeckt sind. Die AGB's der Kursversicherung entnehmen Sie durch Klicken auf den Button. Der Kurs wird bei mind. 20 Personen durchgeführt. Sollten sich weniger Personen anmelden, werden wir die Kurskosten vollumfänglich zurückerstatten.